Ein Gartenbuch (nicht nur) für Hitzetage (ULZ#11)

Utes #Lesezeichen Nr. 11

Mein Leben im Schrebergarten von Wladimir Kaminer, erschienen im Manhattan-Verlag, 2007,  224 Seiten, derzeit lieferbar als Goldmann-Taschenbuch

ausgelesen am 13.08.2026

Sehr gerne stöbere ich im Internet nach kulturellen Angeboten rund um die Literatur. Dazu gehören  – nicht gerade überraschend –  Autorenlesungen, die es in durchaus attraktiver Zahl und Vielfalt in und um Stuttgart gibt (dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach sein Dank). In früheren Jahren ging von solchen Angeboten keinerlei Reiz für mich aus. Doch seit einigen Jahren finde ich es einfach spannend zu sehen und zu erleben: Wie ist ein T.C. Boyle oder eine Helga Schubert live? Nahbar? Arrogant? Erhält meine Neugier nach der Person hinter dem Buch, die mir manchmal bottomless scheint, neues Futter?

Nun  denn, ich war auf jeden Fall auf der Suche nach einer Lesung, innerlich auch bereit, gleich mal zwei Karten für uns zu ordern, als der Name Wladimir Kaminer vor mir auftauchte. Zwei Termine blinkten bei der ersten Suche auf – einmal am 23.9.26 in der Spielbank in Stuttgart, einmal am 11.1.2027 im Theaterhaus. (Links führen zum Kartenvorverkauf). Ein mir durchaus bekannter Autor – und ich hatte noch nie ein Buch von ihm gelesen. Grübeln. Das hat in der Regel Gründe und ich wähnte frustrane, abgebrochene Leseversuche in den vergangenen Jahren. Da ich aber immer bereit bin, mich auch Neuem zu stellen: flugs den Wikipediaeintrag zur Orientierung gelesen, dann die wichtigsten Werke geordert. Ich entschied mich für „Russendisko“, seinen Debütroman, angeblich sein bestes Buch und für „Die Reise nach Trulala“, weil der Titel albern klang und ich an diesem Tag gut drauf war. Und da der Google-Algorithmus meine Schwäche für alles Grüne kennt, wurde mir auch noch „Mein Leben im Schrebergarten“ vorgeschlagen. Nahm ich auch. Ist doch ein schönes Sommerbuch bei dieser Hitze, sollte nicht zu anspruchsvoll werden.

Mit Beginn der Lektüre schwante mir zunächst nichts Gutes. Oh je, das wird oberflächlich, erfüllt einfach ein Klischee nach dem anderen, alles ein wenig im Erzählstil und Humor von Ephraim Kishon. Der war auch mal richtig gut, heute passt das einfach nicht mehr. Doch dann ließ ich mich ein auf Kaminers Spaziergang durch das Gartenjahr in seinem Schrebergarten in Berlin als Gartennovize – und hatte eine Menge Spaß. Ich erfuhr interessante Details über Gartentechniken in seiner Heimat Russland, dem Konflikt von Ossis und Wessis in der urdeutschen Vereinsanlage des Schrebergartens, dem Familienleben des Autors zu Erntezeiten und die Entstehung des Romans auf der Gartenterrasse.

Es war ein nettes Buch, und genau die richtige Begleitung für Hitzetage. Und zumindest hat er mich neugierig gemacht. Also Russendikso kommt auf jeden Fall noch und Trulala muss schon wegen des Titels sein, und dann sehen wir mal weiter. Doch das hat erst einmal Zeit. Vielleicht für kalte Tage im Winter 😊.

Spontan fallen mir noch zwei weitere, hervorragende Bücher zu einem Jahr im Garten ein, einmal „Bin im Garten“ von Meike Winnemuth und „Die grüne Hölle“ von Maarten t’Hart. Wenn Ihr Lust habt, erzähle ich Euch einmal davon. Beide Bücher habe ich mit großer Begeisterung gelesen.

 

Leseempfehlung: für GärtnerInnen; für Liebhaber von und Spötter über Schrebergärten; für alle, die einmal den Blick von außen auf „das Deutsche“ bekommen möchten; für alle, die auch noch nie verstanden haben, warum wir so einen Bohei um Rhabarber machen;

Utes weitere #LeseZeichen finden Sie hier. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert