EDEN, erschienen 2025 im Insel-Verlag, 248 Seiten, Miss Island, erschienen 2022, ebenfalls im Insel-Verlag. 236 Seiten, Weiß ich, wann es Liebe ist? erschienen 2011 bei Suhrkamp, 302 Seiten, alle von Auður Ava Ólafsdóttir
ausgelesen am 15.03.2026, am 01.07.2026 und am 09.07.2026
Am Anfang des Jahres habe ich über die Veröffentlichung des Buches EDEN von Auður Ava Ólafsdóttir gelesen, eine Frau, deren Namen ich noch nie gehört hatte und auch nicht aussprechen kann. Eine Isländerin, geb. 1958, die in Frankreich und Italien Kunstgeschichte studierte und Direktorin eines Kunstmuseums war. Sie hat schon zahlreich veröffentlicht und ist in ihrem Heimatland durchaus bekannt, bei uns allerdings nicht – wer interessiert sich ernsthaft für isländische Literatur? – und ist daher auch nur teilweise ins Deutsche übersetzt worden. Nun also EDEN, erschienen 2022 in Island, übersetzt und erschienen in Deutschland 2025. Angezogen hatte mich zunächst der Titel (natürlich dachte ich umgehend an den Garten Eden), das Cover (grüne, weite Landschaft, mit Seen /Meer, Bergen, menschenlos, die Schrift in Rot, die wie reife Äpfel an einem Baum hängen, Symbol der Verführung Evas durch die Schlange, bis das Drama mit der Vertreibung aus oben erwähntem Garten begann. Der Rest ist Historie).
Auf der Rückseite des Buches ein Zitat : „Eine Autorin, von der man sofort mehr lesen möchte“ (NDR Kultur). Stimmt absolut, das erging mir ebenso, doch dazu später.
Der Inhalt des Buches: eine Sprachwissenschaftlerin aus Reykjavik hängt ihre akademisch Karriere an den Nagel, zieht aufs Land und legt einen Garten an. Ganz nebenbei erlernt sie eine neue Sprache – die des Herzens, so der Aufdruck des Verlags. Nun, der Inhalt dieses Buches entspricht auf den ersten Blick nicht meinem Beuteschema – doch man lernt eine Menge über die Bedeutung von Isländisch als sterbende Sprache, die isländischen Begriffe für Warmwasserversorgung, Mischbatterie und Toilette, wie auch die Deklination von kýr, Kuh. Wer wollte das nicht wissen?
Einschub ganz nebenbei: in Cannes wurde 2025 ein Film namens PANDA ausgezeichnet, spielt in Island, und ja, auf Isländisch heißt Bambusbjörn = Panda. Mein Herz war sofort verloren, aber das ist ein anderes Thema, hier der Link zum Film The love that remains (Link führt zu YouTube).
Doch zurück zum Buch: Da ist also diese Frau mittleren Alters, die sich philologisch mit den KollegInnen der internationalen Elite messen kann, anfängt, dem Boden Islands aus Steinen, Eis und Schnee, eingehüllt in Wind und Stürmen, bedroht von Vulkanen, einen Garten Eden abzutrotzen, und dabei erstaunliche, ungeahnte Kompetenzen erlernt bzw. in sich entdeckt. Wundervoll, tolles Buch, warmherzig, gerne mehr davon.
Nun ja, dann war natürlich der Bann gebrochen, und gemäß des Zitats des NDR, dass es sich bei Auður Ava Ólafsdóttir um eine Autorin handelt, von der man mehr lesen möchte, ging ich auf die Suche weiterer Veröffentlichungen von ihr. Üblicherweise erwerbe ich ja gerne die komplette Bibliographie einer Autorin, die bis dato erschienen ist. Dies war diesmal schwierig, da nur wenige ihrer Bücher bislang ins Deutsche übertragen wurden.
Es folgte Miss Island, eine Geschichte über eine junge Frau auf dem Weg zur Schriftstellerin, die in der konservativen und männerdominierten Gesellschaft der sechziger Jahre in Reykjavik an der mangelnden Emanzipation zu scheitern scheint, abgesehen davon, was Me too in dieser Zeit hieß. Obwohl das Buch eine Zeit beschrieb, in der ich selbst heranwuchs, erschütterte mich der Stand der Emanzipation der Frauen zu diesem Zeitpunkt, und hielt mir einen Spiegel vor, welche Fortschritte in einer Lebensspanne schon geschafft wurden, wohl wissend, dass der Weg noch lange nicht zu Ende sein darf und kann.
Und schließlich habe ich Weiß ich, wann es Liebe ist? gelesen, die Geschichte eines jungen Isländers, der Rosen züchten möchte in einem alten Klostergarten im Süden Europas, und sich währenddessen mit seiner Rolle als Vater eines kleinen Mädchens auseinandersetzt.
Worin liegt nun die Faszination für diese isländische Autorin? Sie hat eine gefällige und unspektakulär klare Sprache ohne Schnörkel. Das fremde Ambiente fasziniert und eröffnet dem Leser, der Leserin in der Abstraktion eine bessere Identifikation mit den ProtagonistInnen, denn Island ist weit, und ich kann mich zu 100% darauf einlassen, ohne dass sich die Problematik in meiner Seele festsetzt. Ich habe viel über Island, vor allem die Gesellschaft in Island und letztlich über diese für uns eher ungefällige Sprache, bei der man schlichtweg an nichts anknüpfen kann, gelernt.
Ich gehe weiter auf die Suche nach Büchern von Auður Ava Ólafsdóttir und google jetzt einmal als Nächstes die Aussprache.
Leseempfehlung: für Island-Fans und solche die es werden wollen; LeserInnen, die sich entführen lassen wollen in die faszinierende Welt von Feuer und Eis; für hartgesottene GärtnerInnen; für emanzipierte Männer und Frauen;
Utes weitere #LeseZeichen finden Sie hier.
Ankündigung: In meinem heutigen Text zu Für Polina werde ich wenig zum Inhalt des Buches verraten, da ich hoffe, dass alle meine LeserInnen dieses Buch ebenfalls lesen werden und ich möchte nicht ein einziges Detail verraten. Zu wichtig ist jede Wendung und jedes Detail.
Der Sprung könnte nicht größer sein! Aus Martin Suters Schweiz ins Marschland bei Hamburg, Ottenwerder, im Hier und Jetzt, wie auch im 16. Jahrhundert. Aus der Business Class in den akademischen Familienhaushalt aus Hamburg. Eine Familie, die sich den Traum vom Landleben erfüllt, und einer Frau Abelke Bleken, die um 1580 auf dem Scheiterhaufen als Hexe brennen musste, weil sie eine aufmüpfige Frau war und einen Hof besaß, den sich ein anderer einverleiben wollte. So die Kurzfassung.
Der Zufall wollte es, dass ich am 25.2.2026 auf Social Media von der neuen Veröffentlichung von Martin Suter erfuhr. Von ihm selbst, auf einem seiner Kanäle. Vielleicht war es auch ein Algorithmus von Google. Der Zufall wollte es, dass ich am 26.2.2026 in der Nähe einer Filiale einer namhaften bayerischen Buchhandlung einen Termin hatte. Der Zufall wollte es, dass der beste aller Ehemänner mich begleitete, und mich im Buchladen zum Erwerb des neuen Suter ermutigte – nachdem ich doch dachte: nein, diesmal nicht, kein neuer Business-Band, ich warte auf den nächsten Allmen.
In großer Begeisterung hatte ich mir vor Weihnachten das Buch von Ulrich Tukur gekauft, einmal als Geschenk für eine liebe Bekannte, die meine Begeisterung für Tukur teilt, einmal für mich. Ja, und dann fand ich das Cover und die Optik des Buches einfach schön, und das ist sie natürlich noch immer.
Noch einmal Ulrich Tukur. Zwischen der Lektüre des letzten und diesem Buch liegen nur wenige Tage, v.a. aber eine Lesung mit Ulrich Tukur im Mozartsaal in Stuttgart. „Eine Nacht in Venedig“ – Texte, Lieder, Akkordeon. Tukur hat 20 Jahre mit seiner Frau in Venedig gelebt, spricht die Sprache und das italienische Leben.
Und noch ein dritter Tukur, vermutlich das schönste der drei Bücher! In der Novelle Die Spieluhr entfaltet Tukur wieder seine wirrende Technik des Wandels zwischen den Zeiten, wieder die Vermischung zwischen der Geschichte des letzten, vorletzten Jahrhunderts und dem Heute, diesmal offiziell unter der Fahne einer Verfilmung; wieder geht es um Frankreich und Deutschland. Der Film Séraphine von 2008 erzählt einen Ausschnitt des Lebens der französischen Künstlerin Séraphine de Senlis, einer der wichtigsten Vertreterinnen naiver Kunst in Frankreich. Im Film spielt Ulrich Tukur in der männlichen Hauptrolle, nämlich die des Kunstsammlers Wilhelm Uhde, der in seiner Zugehfrau das Talent als Künstlerin entdeckt. Das Drehbuch und die Dreharbeiten haben Tukur wohl zu diesem Büchlein inspiriert, doch wie schon davor in seinen Werken, lässt mich die Lektüre tendenziell etwas verwirrt zurück, und so manches Mal hatte ich beim Lesen Probleme mit der Zuordnung der Personen und Zeiten. Aber vielleicht ist es nicht wichtig, es ist eine mystische Erzählung mit wahrem Kern.
Dankbarkeit: Ich bin dankbar, dass ich Helga Schubert persönlich treffen konnte. Ich bin dankbar, dass ich Texte von ihr kennenlernen konnte. Beides war und ist ein großes Geschenk in meinem Leben.
Da liegt nun seit wenigen Wochen das Buch auf meinem Lesestapel und verspricht mir höchsten Lesegenuss. Ich hatte es mehr zufällig bei einer Literaturbesprechung entdeckt, und war sofort auf den Inhalt abgefahren: die Geschichte der ersten Obergärtnerin Deutschlands, Else Hoffa aus Würzburg, die in Hamburg Blankenese einen bis heute bekannten Garten eines jüdischen Bankiers anlegt, schließlich selbst nach London vor dem Naziregime flüchten muss, und nur noch einmal 1957 nach Deutschland zu ihrem Garten zurückkehrt. Ein Biographieroman, eigentlich schon mein Beuteschema, tolles Thema, Garten, Hamburg, Emanzipation. Zudem hatte ich vor- her noch eine Leseempfehlung von meiner Büchernichte bekommen, da konnte doch eigentlich nichts schiefgehen, oder?


