Starke Frauen und ein machtgeplagter Gott

Zur Neuinszenierung der „Walküre“ in Stuttgart

Stille im dunklen Saal. Die Oper beginnt. Rauschhaft schwillt die Musik an. Ein Freund von Wagner-Musik, dem es an eigener, anderweitiger Drogenerfahrung mangelt, könnte sich genauso jenes erlösende Gefühl vorstellen, das den Körper eines Suchtkranken durchströmt, wenn der ersehnte Schuss wirkt, wenn der erste tiefe Zug aus der Zigarette nach stundenlanger Abstinenz die starre Anspannung löst.

Bunte Walküren am Start: Die Privatarmee des Göttervaters im 3. Akt von „Die Walküre“. Foto: Martin Sigmund, bereitgestellt von Oper Stuttgart

Wagners Noten sind ein Sog, seine Töne können für Menschen, die dafür empfindlich sind, jenen zauberhaften Sirenenklängen gleichen, gegen deren magische Macht, aber auch tödliche Wirkung, sich der antike Sagenheld Odysseus zu schützen wusste. Seiner Seefahrer-Mannschaft befahl er, sich mit Wachs die Ohren zu verstopfen. Odysseus aber wollte die tödlichen Wundertöne der rätselhaften Sirenen hören, und so ließ er sich selbst an den Mast seines Schiffes binden. Als er dann die verlockenden Gesänge vernahm, bettelte er seine taube Mannschaft flehentlich an, ihn loszubinden, damit er den Zauberklängen folgen könne. Aber seine Mannschaft konnte ihn dank seiner eigenen Vorsicht nicht hören.

Achtung, Trigger-Warnung!

Daher an dieser Stelle eine Trigger-Warnung: Wagners Opern können antisemitische Elemente, unkritische Deutschtümelei und ein Weltbild enthalten, das weit von heutigen Vorstellungen der Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann entfernt ist. Zigarettenschachteln warnen mit drastischen Bildern vor dem Genuss ihres eigenen Inhaltes. Vielleicht sollten wir diskutieren, einen Link zu den neuesten Erkenntnissen der Wagner-Forschung auf jede Opernkarte, auf jede CD-Hülle zu drucken – oder wenigstens den Hinweis: „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie den Musikhistoriker Ihres Vertrauens“?

Vorsicht vor der politisch unkorrekter Suchtwirkung dieses Sujets ist also angeraten. Entsprechend gewappnet aber darf jede und jeder Musikfreund/in sich fast willenlos hineingleiten lassen in Wagners Musik, darf einfach hören und sich tragen lassen in eine Welt, die so machtvoll schön, und doch auch so gewalttätig toxisch ist. Das dem Rausch verfallene Opernvolk kann stundenlang stillsitzen, um ängstlich dem längst bekannten Ende entgegenzufiebern, voller Schmerz und Wehmut und Glück.

Sie wollen das erleben? Bitte schön, auf in „Die Walküre“! Für das Wagnersche Rauscherlebnis ist vor allem die Musik verantwortlich. Was Handlung und Text angeht, haben Wagner-Opern immer das ganz Große im Leben im Blick – Macht, Liebe, Gier, Geld -, also jede Menge Futter für Regieeinfälle.

Drei Regieteams, dreimal neue Konzeption

Vorsicht, Sogwirkung möglich: Die Musik von Richard Wagner kann manche Opernfreunde abhängig machen, trotz oft diskussionswürdiger Inhalte. Sieglinde und Siegmund (hier Simone Schneider, Michael König) gehen eine inzestöse Liebesbeziehung ein. Foto: Martin Sigmund, bereitgestellt von Oper Stuttgart

In Stuttgart hat man mit der szenischen Umsetzung gleich drei Teams damit beauftragt – für jeden Akt eines -, und das ist mehr als ungewöhnlich. Es gibt also keine durchgängige Regieidee, sondern jeder Akt kommt mit eigener Konzeption und Anmutung daher. Es beginnt mit Ratten in einer zerstörten Welt, führt uns tief hinein in den dunklen Wald menschlicher Abgründe und endet in farbenfroher Romantik. Ein sehr sinnlicher Abend, auch wenn von den Hauptfiguren eher wenig „gespielt“ wird, dafür viel los ist im Bühnenbild, im Licht, bei den Kostümen.

Wagners Sicht auf das „Weibliche“ ist komplex. Einerseits sollen sie mit Ihrem Fordern und Handeln den Männern dazu verhelfen, im Mittelpunkt des Geschehens zu stehen. Andererseits legt Wagner aber auch in der „Walküre“ die Frauen so an, dass sie im entscheidenden Moment dominieren, das weitere Geschehen bestimmen. Also hereinspaziert in die Galerie der starken Frauen:

Die Galerie der starken Frauen

Sieglinde verlässt liebestrunken den ihr ungefragt zur Zwangsverheiratung im Kindesalter zugeordneten Ehemann, und gibt sich einer inzestösen Verbindung mit ihrem Zwillingsbruder Siegmund hin. Beide sind Kinder des Ober-Gottes aus einer außerehelichen Beziehung. Das erbost die im Götterstaat für Moralfragen zuständige Fricka. Sie hält ihrem Mann Wotan eine Standpauke, an deren Ende sie ihn so weit hat, gegen seine eigene Überzeugung zu handeln. Er erteilt seiner Lieblingstochter Brünnhilde, die zusammen mit ihren acht Schwestern so etwas wie eine Frauen-Privatarmee (die Walküren) des Göttervaters bildet, den Auftrag zur Ermordung seines Sohnes Siegmund. Die aber weigert sich, beeindruckt vom authentischen Liebesbekenntnis des Siegmund zur Sieglinde, solchen väterlichen Wahnsinn auszuführen. Brünnhilde wechselt die Fronten, aber Siegmund muss trotzdem sterben (in der Stuttgarter Regie des zweiten Aktes psychologisch sehr klug gelöst).

Wotan ist ob des unbotmäßigen Verhaltens seiner Tochter fuchsteufelswild, tobt schreckerregend herum, schnauzt deren Walküren-Schwestern an, sich auf keinen Fall zu solidarisieren mit der Ungehorsamen. Brünnhilde konfrontiert ihn mutig mit der bitteren Wahrheit: Sie habe doch seinen eigentlich authentischen Willen ausgeführt! Wieder muss er, um seine Autorität zu sichern, gegen seine Überzeugung handeln, denn die Ungehorsamkeit darf nicht ungestraft bleiben. Schließlich bietet ihm seine Tochter einen Ausweg an: Sie wird nicht einfach als wehrlose Straßenhure verstoßen, wie Wotans Idee war, sondern sie erhält so viel Schutz, dass nur ein wahrer Held sie wird für sich gewinnen können. (Dazu dann mehr in „Siegfried“, dem dritten Teil des „Ring“, der als Wiederaufnahme in Stuttgart am 9. Oktober 2022 Premiere haben wird).

Aus feministischer Sicht kann man sich aus guten Gründen daran stören, dass die starke Brünnhilde in einer unangemessen passiven Rolle am Ende der Oper zurückgelassen wird. Ja, so ist es. Aus Wagners Welt wird nicht posthum ein moderner Hort der Gleichberechtigung; diesen Umschwung wird keine Regie leisten.

Gefangen im Alcatraz der Verantwortung

Sollte man sich „Die Walküre“ trotzdem ansehen? Unbedingt! Nicht nur die erschreckend gegenwärtigen Bilder der Verwüstung, die den ersten Akt prägen, machen den Opernbesuch zum brandaktuellen Erlebnis, sondern auch die sehr kluge psychologische Deutung des Vater-Tochter-Konfliktes. Allen Schlaumeiern, die in (a)sozialen Netzen und anderswo – am besten anonym – über Spitzenpolitiker lästern, weil diese unter der Last der realen Verantwortung auf ihren Schultern Kompromisse machen und alte Gewissheiten aufgeben, wird der Besuch ganz besonders empfohlen. Sie könnten, wenn sie es denn zulassen, am Leibe des leidenden Göttervaters erleben, welche Qualen mit der Last der Macht, mit dem Alcatraz der Verantwortung, verbunden sind.

Es ist unsere Welt, die da verhandelt wird

Nachdenklich tritt man nach fünf Stunden heraus ins Freie; im Kopf klingen noch die letzten Takte des Rausches nach. Es ist eben doch unsere eigene Welt, die da verhandelt wurde. Man tritt heraus in eine Welt, in der verbrecherische Kriege in der Nachbarschaft geführt werden, jeden Tag wieder Ungerechtigkeiten stattfinden, geduldet und erduldet werden, in der das Klima kollabiert. Das vom Sturm zerknüllte Dach des stolzen, aber renovierungsbedürftig dahinbröselnden Opernhauses wurde soeben als Mahnmal direkt davor platziert. Man tritt hinaus und droht über Ghettoblaster und herumstehenden Bierflaschen direkt auf den Stufen des Opernhauses zu stolpern.

Man tritt hinaus und blickt hinüber zum alten Schloss, nur wenige Meter entfernt. Dort hatten Claus und Berthold Stauffenberg etliche Jahre ihrer Kindheit verbracht. Gemeinsam mit vielen anderen planten sie die Tötung Hitlers. Ihr Plan scheiterte am 20. Juli 1944, und sie wurden hingerichtet. Der Codename ihres Geheimplanes diente ursprünglich für Vorbereitungen zur Niederschlagung innerdeutscher Widerstände gegen das NS-Regime. Die Attentäter nutzten ihn als Schutz für ihre eigenen Vorbereitungen. Er lautete: „Walküre“.

 

 

Dieser Text erhebt nicht den Anspruch einer Aufführungskritik. Mein Fokus liegt ausschließlich auf dem (kultur-)politischen Aktualitätsbezug von Werk und Inszenierung. Daher gibt es in diesem Text auch nur Bemerkungen zur Konzeption der Inszenierung, nicht zu den Leistungen von Sänger/innen und Orchester.

Gesehen habe ich die Vorstellung am 29. April 2022. 

 

„Die Walküre“ ist am Stuttgarter Opernhaus zu sehen ab 10. April 2022 an insgesamt fünf Terminen bis 2. Mai. Im Jahr 2023 werden mehrere Aufführungen des kompletten „Ring“ folgen. Zur Website der Stuttgarter Oper: https://www.staatsoper-stuttgart.de/spielplan/a-z/die-walkuere/

Die antike Geschichte von Odysseus und den Sirenen ist bei „Wissen mach Ah!“ gut zusammengefasst: https://kinder.wdr.de/tv/wissen-macht-ah/bibliothek/kuriosah/geschichteundgeschichten/bibliothek-odysseus-und-die-sirenen-100.html

Über das Frauenbild von Richard Wagner wurde viel geforscht und veröffentlicht. Sehr frisch ist die Forschung von Paul Simon Kranz, der darüber in diesem Interview berichtet: https://www.br.de/mediathek/podcast/klassik-aktuell/aktuelles-interview-mit-paul-simon-kranz-zu-seinem-buch-richard-wagner-und-das-weibliche/184647

Zu Graf Stauffenberg in Stuttgart und zur Operation „Walküre“: https://www.hdgbw.de/ausstellungen/stauffenberg/

„Die Walküre“ ist der zweite Teil des vierteiligen „Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner. Mein Text zum ersten Teil, dem „Rheingold“ in der Stuttgarter Inszenierung finden Sie hier, wie auch weitere Texte als #Kulturflaneur.

Unbeugsam-weiblich gegen den „Ökozid“ (27. September 2021)

Am Tag nach der Wahl steht nicht viel fest. Aber vermutlich wird es ein Mann sein, der Angela Merkel im Kanzleramt folgen wird. Er wird einlösen müssen, was die heutige Kanzlerin einmal für sich in Anspruch nahm: ein Klima-Kanzler sein.

In „Ökozid“ am Schauspiel Stuttgart muss Angela Merkel (hier die Schauspielerin Nicole Heesters) als Zeugin vor Gericht aussagen. Foto: Björn Klein

Diese Vorrede lenkt den Blick auf ein aktuelles Kultur-Ereignis am Schauspiel Stuttgart. Dort sind es Frauen, die zu Gericht sitzen, und es sind Frauen, die sich verteidigen. Wir befinden uns gedanklich im Jahr 2034, und eine dann stolz-ergraute Angela Merkel, seit 13 Jahres aus dem Amt geschieden, wird als Zeugin befragt. Sie wird gespielt von Nicole Heesters als noch immer hoch kontrolliert in ihren Bewegungen, ihren Aussagen, ihrem Auftritt. Hätte sie die Klimakatastrophe abwenden können, wenn sie gemäß dem gehandelt hätte, was bereits bekannt war?

Vorwurf: Untätigkeit gegen die Katastrophe

Die Rede ist von dem Schauspiel „Ökozid“ (Premiere war am 24. September). Den Vorsitz in einem Internationalen Gerichtshof führt eine strenge, verständige Richterin, die Anklage wird von zwei Frauen vertreten: einer stimmgewaltigen Sprecherin des Verbundes der 31 klagenden Staaten „des globalen Südens“ und ihrer Anwältin. In dieser Besetzung unterscheidet sich das Theaterstück, das in Stuttgart uraufgeführt wird, von dem gleichnamigen Film, der im November letzten Jahres bei der ARD zu sehen war. Auch sonst hält der Theaterabend zahlreiche künstlerische Überraschungen und Ergänzungen parat, der den Besuch lohnen lässt, auch wenn man den Film bereits gesehen hat.

Zur Sprache kommt alles, was uns in den zurückliegenden Wochen des Bundestagswahlkampfs täglich beschäftigt hat, und es in den kommenden noch viel dringlicher tun wird. Hätten die deutschen Regierungen seit Gerhard Schröder es hätten besser wissen können? Hat Deutschland im internationalen Zusammenspiel der klimafeindlichen Kräfte überhaupt relevantes Gewicht? Verletzt die Untätigkeit des Nordens gegenüber den erkennbaren Folgen einer Klimakatastrophe vor allem im Süden der Weltkugel grundlegende Menschenrechte, wie sie die UN-Charta allen Menschen gleichermaßen verspricht? Oder ist alles ganz anders, war davon nichts erkennbar, ist irgendwas davon noch strittig oder nicht?

Empörende Erfahrungen im Wahlkampf

Männer spielen während dieses nachdenklich machenden und trotzdem unterhaltsamen Theaterabends allenfalls kauzige Nebenrollen. Sie plustern sich auf in oft substanzloser Rechthaberei, womit eine Brücke gebaut wäre zu einem geschlechterspezifischen Blick auf den Wahlkampf und auf das, was nun folgen wird in den Verhandlungen über eine neue Regierung. Der Blick zurück macht fassungslos. Wie selbstgerecht und rechthaberisch mit einigen Spitzenfrauen in diesem Wahlkampf umgegangen worden ist – oft, aber nicht nur, von Männern – ist für jeden sensiblen Geist eine empörende Erfahrung.

Frauen in der Politik können ganz generell darüber viel berichten. Daher hier nur einziges, aber besonders prominentes Beispiel aus den letzten Wochen: Die Republik zu „warnen“ vor einer Machtübernahme durch die SPD-Co-Vorsitzende Saskia Esken, der unterstellt wurde, dass sie wie eine strippenziehende Mephista den SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz marionettenartig über die politische Bühne zappeln lassen würde – das adressierte zumindest zum größeren Teil nicht deren inhaltliche Aussagen. Sondern es appellierte an dumpfe Assoziationen, die sich gegen ihr selbstbewusstes Auftreten und ihre von manchen vielleicht als ruppig empfundene Sprechweise richteten.

Engagierte Frauen waren nicht willkommen, …

Also raus aus dem Theater, wenige Häuser weiter, rein ins Kino! In fast zwei Stunden breiten dort im aktuellen Film „Die Unbeugsamen“ politisch erfahrene Frauen aus, welche Mühen, Gemeinheiten, Niederlagen, Zurücksetzungen und Zumutungen aller Art sie aushalten mussten, bis sie in der Männerwelt der deutschen Nachkriegspolitik angekommen waren. Der Film lässt keine Zweifel offen, dass engagierte Frauen alles andere als willkommen waren, und auch, dass die Männer sich kaum Mühe gaben, ihre ehrverletzende Überheblichkeit wenigstens höflich zu verbergen. Um sich in diesem Umfeld durchzusetzen, mussten Frauen Männern so ähnlich wie möglich werden. Für einen ersten Einblick genügt schon der Trailer des Films (Link siehe unten). Die Verhältnisse sind zweifellos besser geworden – aber gut sind sie noch nicht, wenn im neu gewählten Bundestag der Frauenanteil von 31 auf gerade mal 35 Prozent gestiegen ist.

… sind jetzt aber Mehrheit und Stimme der Klimaaktiven

Beim Stuttgarter „Ökozid“ fehlt es den Frauen nicht an Macht. Trotzdem haben sie in der Diktion des Theaterstücks vollständig männlich versagt. Ihr Scheitern bei der rechtzeitigen Rettung der Welt ist im Schauspiel ein Generationenproblem, keines der Geschlechter. Daher die Frage: Vielleicht können Frauen doch die besseren Klimaretter sein? Weil sie sich als Mütter eben doch noch immer stärker mit dem Schicksal ihrer Kinder identifizieren, als dies Väter tun? Warum sonst hat Annalena Baerbock im Wahlkampf dauernd von ihren Kindern geredet, Olaf Scholz (keine Kinder) und Armin Laschet aber nicht? In der „Fridays for Future“-Bewegung dominieren nach einer Studie des Berliner Instituts für Protest- und Bewegungsforschung die jungen Frauen mit 60%. Alle wesentlichen Repräsentantinnen der Bewegung sind weiblich.

Vielleicht ist das nun die neue Generation unbeugsamer Frauen, die nach Kriegsende in der deutschen Politik fehlten. In der neuesten Folge des „unendlichen Podcast“ der ZEIT (Link unten) formuliert die Schauspielerin Nora Tschirner einen weiteren Aspekt. Für Frauen und für unsere Gesellschaft kann es nicht nur darum gehen, Männer an  ihren Machtpositionen gleichwertig zu ersetzen.  Als „Seitenprodukt“ des jahrhundertealten Patriarchats sei ein „Privileg auf Frauenseite entstanden, eine Weisheit in Beziehungen, Kommunikation, Gefühle und zwischenmenschlichen Geschichten“. Dieses Potenzial sei bisher gesellschaftlich noch nicht ausreichend hochgewertet.

Die Klimakrise fordert neue Kompetenzen

Mehr Weiblichkeit in diesem Sinne hätte der Politik in den letzten 50 Jahren vielleicht weniger Orientierung am Automobil ermöglicht, mehr Naturschutz durchgesetzt, vielleicht auch insgesamt weniger Wachstum und  weniger Reichtum in Kauf genommen, aber dafür eine andere Balance aus Arbeit und sozialem Leben ermöglicht, ein anderes Geben und Nehmen, weniger Raffen, mehr Fürsorge.

Für eine Abwendung der drohenden Klimakatastrophe benötigen wir genau all das. Schade, dass dieser Aspekt im Stuttgarter „Ökozid“-Prozess keine Rolle spielt. Er endet jedoch mit einer eindrücklich sinnlichen Inszenierung, die den Theaterbesucher hinunterzieht in die Flut der steigenden Meeresspiegel. Und wenig überraschend: Es ist eine junge Frau, deren Stimme uns dort hineinführt und uns darin ertrinken lässt.

 

„Ökozid“ ist am Schauspiel Stuttgart noch mehrfach bis November auf dem Spielplan, jeweils verbunden mit einer Rede von Klima-Aktiven: https://www.schauspiel-stuttgart.de/spielplan/a-z/oekozid-2021/

Der Trailer zu „Die Unbeugsamen“ ist hier zu finden, der Film läuft (noch) in den Kinos: https://www.youtube.com/watch?v=yLjAayYEgOQ

Der Podcast und die Videoaufzeichnung von „Alles gesagt“ mit Nora Tschirner dauert fast vier Stunden. Die hier zitierte Passage (und mehr zu ihrer Sicht auf modernen Feminismus) ist etwa zehn Minuten vor dem Ende zu finden: https://www.zeit.de/video/2021-09/6271162956001/lange-nacht-der-zeit-2021-alles-gesagt-mit-nora-tschirner-christoph-amend-und-jochen-wegner?utm_referrer=https%3A%2F%2Fverlag.zeit.de%2F