Utes #Lesezeichen Nr. 7: Schwieriges Landleben

Marschlande von Jarka Kubsova, erschienen 2025 (Erstveröffentlichung 2011) bei S. Fischer, 317 Seiten

ausgelesen am 12.03.2026

Der Sprung könnte nicht größer sein! Aus Martin Suters Schweiz ins Marschland bei Hamburg, Ottenwerder, im Hier und Jetzt, wie auch im 16. Jahrhundert. Aus der Business Class in den akademischen Familienhaushalt aus Hamburg. Eine Familie, die sich den Traum vom Landleben erfüllt, und einer Frau Abelke Bleken, die um 1580 auf dem Scheiterhaufen als Hexe brennen musste, weil sie eine aufmüpfige Frau war und einen Hof besaß, den sich ein anderer einverleiben wollte. So die Kurzfassung.

Der Roman von Jarka Kubsova ist zweigeteilt. Zum einen spielt er in der Gegenwart und erzählt die Geschichte von Britta, ihrem Mann Philipp und den Kindern Mascha und Ben, die am Umzug von Hamburg auf das Land scheitern. Dieser Teil des Buches hat mich sehr an den Roman von Martina Behm „Hier draussen“ erinnert, den ich auch erst kürzlich gelesen habe.

Zum anderen taucht der Roman ein in das bäuerliche Leben des 16.Jahrhunderts, als eine Abelke Bleken als Marschländerin auf einem Hof in Ottenwerder lebte, den Hof nach der großen Allerheiligenflut 1570 aufgeben musste und dann den Interessen der Mächtigen zum Opfer fiel und ihres Hofes enteignet wurde. Nicht ganz freiwillig und mit Widerstand. Man entledigte sich ihrer, indem man sie auf dem Scheiterhaufen als Hexe verbrannte, wie viele Leidensgenossen und Leidensgenossinnen in dieser Zeit. Die Protagonistin Britta geht im Roman dieser Geschichte nach und recherchiert, so wie die Autorin gut den historischen Hintergrund in zahlreichen Quellen ergründet hat.

Gute Geschichte, Roman durch den Wechsel der Kapitel in den verschiedenen Jahrhunderten abwechslungsreich. Habe eine Menge über das Leben im 16.Jahrhundert, Plattdeutsch, über die Ungerechtigkeit der Welt  und den Umstand gelernt, dass Städter einfach nicht zu weit auf Land ziehen sollten.

Und es gibt noch eine persönliche Note. Meine Mutter flüchtete als junge Witwe mit meinen beiden Halbschwester an einen Ort hinterm Deich bei Hamburg, britische Besatzungszone. Leider habe ich keine weiteren Aufzeichnungen dazu gefunden, doch vieles spricht dafür, dass es sich eben um diesen Landstreifen bei Ottenwerder gehandelt hat. So bekommen die Landschaftsschilderungen ein neues Farbspiel.

 

Leseempfehlung: für historisch Interessierte, nicht nur für Menschen hinterm Deich, für Frauen und Männer, die für Gendergerechtigkeit einstehen, für Familien, die noch unentschieden sind, ob sie aus einer Großstadt aufs Land ziehen sollen oder es besser lassen sollten

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Utes #LeseZeichen Nr. 1: Auf dem Berg ist nicht immer alles gut

Bergland von Jarka Kubsova, erschienen bei Diogenes 2023, 284 Seiten

ausgelesen am 29.12.2025

Bergland

Ein Bauernhof hoch in den Bergen Südtirols, vier Generationen, die dem Unbill der Natur, dem Wetter und menschgemachtem Ungemach trotzen und am Ende ihren Weg finden, nicht schnörkelig, kein Kitsch – dieses Buch hätte ich wohl trotzdem nicht gelesen, wenn meine Nichte es mir nicht kürzlich mit einer Leseempfehlung in die Tasche gesteckt hätte. Dann las ich Namen wie Meran und Lana, einer Region, die ich aus Urlauben in meiner Kindheit sehr gut kannte, und ich fühlte mich zurückversetzt in eine Zeit, die sich für mich so wohlbehütet und heil anfühlte.
Auf dem Berg ist nicht immer alles gut, es zeichnet auch persönliche Abgründe und Schicksale. In erster Linie steht das Buch aber für weibliche Selbstbestimmung, Autonomie und der unbedingten Weigerung sich zu beugen – vielleicht mit Ausnahme gegenüber Naturgewalten, die als Einziges akzeptiert werden. Es wurde ein Buch, auf das ich mich zur abendlichen Lektüre vor dem Schlafen immer sehr gefreut habe. Es ließ mich stets in innerem Frieden einschlafen und manchmal glaubte ich Bilder und Gerüche, z.B. von sonnengetränktem Holz wahrzunehmen. Das Buch hat meiner Seele gut getan und mich geerdet, und es wird nicht das letzte Buch dieser Autorin bleiben, das auf den Bücherwartestapel an meinem Bett darf.

Leseempfehlung: für emanzipierte Frauen – für Geschichtsinteressierte – für LeserInnen mit Interesse für das Grundsätzliche im Leben – für Menschen, die den Boden, die Natur lesen können/wollen

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