Utes #LeseZeichen Nr. 3: Ein Seelenroman, aber …

Ein Garten über der Elbe von Marion Lagoda, erschienen bei Penguin, 2022, 379 Seiten

leider nicht zu Ende gelesen am 14.1.2026

Da liegt nun seit wenigen Wochen das Buch auf meinem Lesestapel und verspricht mir höchsten Lesegenuss. Ich hatte es mehr zufällig bei einer Literaturbesprechung entdeckt, und war sofort auf den Inhalt abgefahren: die Geschichte der ersten Obergärtnerin Deutschlands, Else Hoffa aus Würzburg, die in Hamburg Blankenese einen bis heute bekannten Garten eines jüdischen Bankiers anlegt, schließlich selbst nach London vor dem Naziregime flüchten muss, und nur noch einmal 1957 nach Deutschland zu ihrem Garten zurückkehrt. Ein Biographieroman, eigentlich schon mein Beuteschema, tolles Thema, Garten, Hamburg, Emanzipation. Zudem hatte ich vor- her noch eine Leseempfehlung von meiner Büchernichte bekommen, da konnte doch eigentlich nichts schiefgehen, oder?

Ja, und dann: lese und lese ich, und ich merke, wie ich mir immer wieder Zweitlektüre besorge (ich lese öfter mehrere Bücher parallel, aber eigentlich nur, wenn die Hauptlektüre mich nicht zu 100% packt ….). Ja, und dann keine Lust mehr verspüre, dranzubleiben. Und der Grund ist nicht der Inhalt – weiß Gott nicht! – aber die Sprache, nein, die Sprache, die Dialoge sind leider oft sehr schwach, manchmal langweilig, ohne Spannungsbogen. Seit Jahren fällt mir auf, dass ich so anspruchsvoll geworden bin, mein Literaturgeschmack verwöhnt durch die sprachliche Präzision eines Hesse, Mann oder v.a. Stefan Zweig (der Beste). Natürlich gibt es viel Gegenwartsliteratur, die sich an neuen Sprachmodellen versucht, das finde ich oft interessant, aber so ein schöner Seelenroman, ideal für die abendliche Lektüre, Futter für die Nachtseele, und dann diese einfache Sprache. Es tut mir leid zu sagen, dass ich das Buch nicht zum Ende brachte.

Leseempfehlung: für Gartenliebhaber – Menschen, die von ungewöhnlichen Frauen mehr lesen wollen – Hamburgfans – Biografiejunkies

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Utes #LeseZeichen Nr. 1: Auf dem Berg ist nicht immer alles gut

Bergland von Jarka Kubsova, erschienen bei Diogenes 2023, 284 Seiten

ausgelesen am 29.12.2025

Bergland

Ein Bauernhof hoch in den Bergen Südtirols, vier Generationen, die dem Unbill der Natur, dem Wetter und menschgemachtem Ungemach trotzen und am Ende ihren Weg finden, nicht schnörkelig, kein Kitsch – dieses Buch hätte ich wohl trotzdem nicht gelesen, wenn meine Nichte es mir nicht kürzlich mit einer Leseempfehlung in die Tasche gesteckt hätte. Dann las ich Namen wie Meran und Lana, einer Region, die ich aus Urlauben in meiner Kindheit sehr gut kannte, und ich fühlte mich zurückversetzt in eine Zeit, die sich für mich so wohlbehütet und heil anfühlte.
Auf dem Berg ist nicht immer alles gut, es zeichnet auch persönliche Abgründe und Schicksale. In erster Linie steht das Buch aber für weibliche Selbstbestimmung, Autonomie und der unbedingten Weigerung sich zu beugen – vielleicht mit Ausnahme gegenüber Naturgewalten, die als Einziges akzeptiert werden. Es wurde ein Buch, auf das ich mich zur abendlichen Lektüre vor dem Schlafen immer sehr gefreut habe. Es ließ mich stets in innerem Frieden einschlafen und manchmal glaubte ich Bilder und Gerüche, z.B. von sonnengetränktem Holz wahrzunehmen. Das Buch hat meiner Seele gut getan und mich geerdet, und es wird nicht das letzte Buch dieser Autorin bleiben, das auf den Bücherwartestapel an meinem Bett darf.

Leseempfehlung: für emanzipierte Frauen – für Geschichtsinteressierte – für LeserInnen mit Interesse für das Grundsätzliche im Leben – für Menschen, die den Boden, die Natur lesen können/wollen

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