Tag 12 (27. Mai 2026)
Vom Froschgrundsee bis Rottenbach
Blitzblank glitzernd liegt das Staugewässer mit dem originellen Namen „Froschgrundsaee“ in der Sonne. Die Staumauer liegt auf der bayerischen Seite der Grenze, und sie dient vor allem dem Hochwasserschutz von Coburg. Als der See 1986 entstand, musste mit der DDR vereinbart werden, dass das Wasser sich auch auf thüringisches Gebiet ausbreiten würde – was dem devisenklammen Staat einige Millionen einbrachte. Heute ist er ein Naherholungsparadies für Menschen aus Oberfranken wie aus Thüringen, seit 2011 überspannt von einer eleganten Brücke für den ICE aus Berlin Richtung München.
Ein paar Kilometer weiter steht eine Mauer mitten auf der Wiese in einer Straßenbiegung. Ein bröckelnder Rest bietet Insekten ein löchriges Zuhause. Das aus Thüringer Sicht davor liegende Dorf Görsdorf ist nur wenige Meter von der Grenze entfernt, mit dreitausend Einwohnern war es zu groß für eine Evakuierung. Das Schicksal, begafft zu werden aus dem Westen, das wollte man ihnen ersparen – die Mauer diente weniger der Sicherheit des Staates, als dem Blickschutz der Menschen. Heute schützt sie nichts mehr, sie ist selbst Denkmal-geschützt. Als ich mich herumwende, sehe ich einen kleinen Schrottplatz; im hohen Gras verrotten zwei Trabis.


Ich wandere weiter in das bayerische Rottenbach. Dort habe ich Zeit, die evangelische Kirche zu besichtigen, die zu meiner Überraschung offensteht. Der Friedhof um sie herum ist leergeräumt – nur das Denkmal für die Toten der Weltkriege steht noch. Ich denke über Prioritäten nach, und über die Frage, ob heute wohl ein Bus laut Fahrplan kommen wird. Gestern in Rückerswind hatte ich vergeblich gewartet. Dann biegt er um die Ecke, ein Linienbus in voller Größe und Pracht, pünktlich und vollkommen leer. Ich bleibe der einzige Passagier Richtung Coburg.
Distanz: 10,7 Kilometer, 15.600 Schritte
Begegnungen mit Wanderern: keine
Jäger-Hochsitze am Weg: 12
Alle Texte aus meinem Wandertagebuch #Grenzerfahrung finden Sie hier.
Mehr über den Froschgrundsee finden Sie z.B. bei Wikipedia.